Emmanuel Tresmontant - 11-05-2009
Linz, Tochter der Donau, ist zwar nicht ganz so bekannt wie Wien oder Salzburg, deshalb jedoch nicht weniger eine Reise wert. Die Stadt, die mit Stolz auf so berühmte Einwohner wie Kepler, Mozart und Bruckner zurückblickt, hat es verstanden, ihre geographische Lage zu nutzen und sich zu einer futuristischen Metropole im Dienst der Nachhaltigkeit zu entwickeln.
Ein neues Reiseziel
Die Landeshauptstadt von Oberösterreich und drittgrößte Stadt des Landes erstreckt sich auf beiden Seiten der Donau, der sie ihre wirtschaftliche Entwicklung verdankt. Bereits die Römer hatte den strategischen Wert dieses Binnenhafen (Lentia: „in der Flusskrümmung“) an der Schnittstelle des Donautals und der Salzstraße nach Böhmen erkannt. Handel und Textilindustrie, aber auch, ab dem 19. Jh., Schiffs- und Lokomotivbau sowie chemische Industrie und Stahlerzeugung ließen Linz zu einer wohlhabenden Stadt heranwachsen.
Die finstere Zeit des Nationalsozialismus, die viele Jahre das Image der Stadt trübte, liegt heute weit zurück. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Linz bewusst dem kulturellen, architektonischen und technologischen Wandel verschrieben. Und das mit Erfolg. Mit einem von Renaissance-Gebäuden gezierten Stadtzentrum, einem herrlichen Radweg am linken Donauufer, einem Zukunftsmuseum und vielen anderen Attraktionen entwickelte sich Linz in den letzten Jahren zu einer der lebendigsten Städte Mitteleuropas.
Doch natürlich ist man, wie an jedem anderen Ort der Welt, auch in Linz stolz auf die großen Figuren der Vergangenheit, die in der Stadt ihre Inspiration fanden. Auf den Astronom Kepler zum Beispiel, der hier 1618 die mathematischen Zusammenhänge entdeckte, die die Bewegungen der Planeten bestimmen. Aber auch auf Mozart, der 1783 in Linz eine seiner schönsten Sinfonien komponierte, und auf Anton Bruckner, der hier 12 Jahre als Organist tätig war und den die Stadt jedes Jahr im September mit einem renommierten Musikfestival ehrt.
Erstkontakt: ein wunderschönes Panorama
Mit dem Auto nähert man sich Linz und seiner schönen Umgebung (darunter das ZisterzienserklosterWilhering, 8 km außerhalb der Stadt), idealerweise vom Westen her durch das Tal der Donau.
Den schönsten Blick über Stadt und Landschaft hat man jedoch vom Pöstlingberg, der mit einer Höhe von 537 m das linke Donauufer überragt. Der Heilige Berg, wie man ihn auch nennt, bietet von seiner Aussichtsterrasse ein einmaliges Panorama über den Stadtteil Urfahr und das 1985 eingeweihte Rathaus, sowie über den Stadtteil Dornach, in dem sich die Johannes-Kepler-Universität befindet.
Auf dem gegenüberliegenden Ufer erkennt man, in Verlängerung der Nibelungenbrücke, den berühmten Hauptplatz, in dessen Mitte sich die Dreifaltigkeitssäule erhebt, die 1723 von den Landständen Oberösterreichs errichtet wurde, als Ausdruck der Dankbarkeit für die Rettung vor drei Gefahren: Der türkischen Invasion 1704, der Feuersbrunst von 1712 und der Pest des Jahres 1713.
Die aus weißem Salzburger Marmor ausgeführte reich mit Statuen und Putten verzierte Säule ist eines der emblematischsten Barockmonumente der Stadt. Bei sehr klarem Wetter reicht der Blick vom Pöstlingsberg bis zu den Alpen, die sich hundert Kilometer südlich der Stadt erheben.
Sehenswertes in der Altstadt
Nach dem Ausflug auf den Pöstlingberg kann man auf Mozarts Spuren durch die Altstadt flanieren und das Haus besichtigen, in dem der Komponist in Rekordzeit seine Linzer Sinfonie schrieb.
In der Innenstadt geht es fröhlich und lebendig zu, dank der vielen Studenten und Cafés (darunter das Café Jindrak und das Grand Café-Daniel Sassi mit der höchsten Bar der Welt!), Bistros (S’Kistl) und traditionellen Brauhäusern (Josef, das Statbräu).
Der spektakuläre Hauptplatz, errichtet ursprünglich im 13. Jh., ist, wie oben bereits erwähnt, ein Muss, ebenso wie das Landhaus. Dieses schöne Renaissance-Gebäude, heute Sitz des Oberösterreichischen Landtags, birgt in seinem Arkadenhof einen Brunnen aus dem Jahr 1582, getauft „Planetenbrunnen“ im Gedenken an den Astronomen Johannes Kepler.
Unbedingt besichtigen sollte man auch das Kremsmünstererhaus, wo, der Legende zufolge, Kaiser Friedrich III. 1493 starb, sowie die Martinskirche, die älteste erhaltene Kirche Österreichs (erbaut vor 788).
Im Sommer sollte man es sich nicht entgehen lassen, den schönen Radweg entlang der Donau zu erkunden, der sich besonders für Ausflüge in Familie anbietet. Im Vorbeifahren kann man die geschwungene Glasfassade des Brucknerhauses (Konzerthalle) bewundern, sowie den Alten Dom und den Neuen Dom, das Lentos Kunstmuseum (dessen Glashülle nachts farbig beleuchtet wird) und den Botanischen Garten, der eine in der Welt einzigartige Kakteensammlung besitzt.
Gegenüber des Lentos steht am nördlichen Donauufer das eindrucksvollste Museum der Stadt Linz: das nagelneu umgebaute Ars Electronica Center (ursprünglich schon 1996 eröffnet), ein in der Welt einzigartiges Zentrum, das ganz der digitalen Kunst und Kultur geweiht ist und sich in der Form eines Experimentallabors präsentiert, in dem sich technische und künstlerische Innovation gegenseitig bereichern.
Das von dem Wiener Architekten Treusch wie eine Lichtskulptur entworfene Gebäude besitzt heute, nach dem Umbau, eine Nutzfläche von 6.500 m2. Die Glasfassade wird durch grüne, blaue und weiße Leuchtdioden farbig erleuchtet.
Und wie wäre es zum Abschluss des Tages mit einem Picknick oder gar einer Nacht unter freiem Himmel an der Donauuferlinie von Dürnberg bis zum „Lido“ – dem Ottensheimer Sandstrand?
Eine Radtour entlang der Donau ist sicher nicht die schlechteste Art, sich mit der romantischen Seele dieses Landes vertraut zu machen. Barockdörfer, Weinberge, Landgasthöfe, malerische, gemütliche Hotels, alte Kloster … Das alles kann man auf Radwegen mit einer Gesamtlänge von 350 km von Passau über Linz bis Wien entdecken. Bei 40 km täglich sind dies 8 Tage Aktivurlaub an frischer Luft …
Anton Bruckner, illustrer Sohn des Landes (1824-1896)
Anton Bruckner kam als Sohn eines Lehrers im oberösterreichischen Dorf Ansfelden zur Welt. Im Alter von 13 Jahren verlor er seinen Vater und wurde von seiner Mutter ins Stift Sankt Florian, 18 km südöstlich von Linz geschickt. Dort machte sich der junge Bruckner mit den Meisterwerken der sakralen Musik vertraut.
Mit 24 wurde er Organist in Sankt Florian und komponierte sein Requiem in d-Moll. Später dann wurde er zum Domorganisten in Linz ernannt und ab 1868 bekleidete er eine Professorenstelle am Wiener Konservatorium. Tannhäuser, den er im Rahmen einer Aufführung an der Linzer Oper entdeckte, war für ihn ein Schlüsselerlebnis.
Sehr schnell jedoch gelang es ihm, sich vom wagnerschen Einfluss freizumachen und einen eigenen Stil zu entwickeln, der ab seiner Dritten Sinfonie unverkennbar ist: Klarheit, Größe, Einfühlungsvermögen und Glorie sind die Eigenschaften des Orchesters, das Bruckner wie eine Orgel zu führen versteht.
Doch auch auf dem Höhepunkt seines Ruhmes blieb der „Musikant Gottes“ eng mit Sankt Florian verbunden, wo er schließlich nach seinem Tod in der Stiftskirche unter seiner geliebten Orgel beigesetzt wurde.
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Touristische Informationen
Linz, Europäische Kulturhauptstadt 2009
Highlights des Kulturjahres:
Bis zum 10. Mai: Ausstellung „Best of Austria“ im Lentos Kunstmuseum.
Vom 13. Juni bis 13. September: 20 Installationen und Performances internationaler Künstler lassen die Magie des Pöstlingberg neu aufleben.
Vom 3. bis 5. Juli: Linz Europa Hafenfest (Musik zwischen Ost und West) im Hafen von Linz.
5. September: Bei der Visualisierten Linzer Klangwolke durchziehen fabelhafte Wesen die Stadt.
Vom 3. bis 8. September: Festival Ars Electronica, ganz der Zukunft gewidmet.
Pixel Hotel … das etwas andere Hotelerlebnis
Fünf leicht verrückte Architekten haben eine Reihe von Hotelzimmern an allen möglichen und unmöglichen Orten der Stadt entworfen: in einer alten Werkstatt, einem ehemaligen Geschäftslokal, einem Hausboot usw. Jedes Zimmer ist mit einem Pixel vergleichbar. Die Zimmer und Suiten sind schlicht und individuell eingerichtet und bieten modernen Komfort. Zum Frühstück muss man sich allerdings vor die Tür begeben …