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Luxemburg  

Reportage

Luxemburg : Kultur im Grünen

L - Luxembourg
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Georges Rouzeau - 10-01-2011

Da man die Stadt eher als Zentrum europäischer Institutionen kennt, geraten ihre touristischen Reize oftmals in den Hintergrund. Dennoch ist diese malerische Stadt im Grünen mit ihren beiden Flüssen und zahlreichen Festungsüberresten in jedem Fall einen Wochenendtrip wert.

Luxemburg, eine Stadt auf dem Lande
Luxemburg ist gemeinhin als internationale Finanzhochburg bekannt. Dabei vergisst man oft, dass die Hauptstadt des Großherzogtums im Grunde eine kleine, friedliche Provinzstadt mitten im Grünen ist.
 
Es sind die vielen Gärten und Parks sowie eine außergewöhnliche Topografie, die den besonderen Charme Luxemburgs ausmachen. Die malerische Lage dieser Stadt auf einem von Schluchten durchzogenen Felsplateau und die umgebende Natur sorgen für eine unwiderstehlich schöne natürliche Kulisse, während sich im Norden und Süden die beiden Flüsse Pétrusse und Alzette gemächlich durchs Tal winden. Auffällig sind außerdem die vielen Überreste von Befestigungsanlagen, die von einer bewegten Geschichte zeugen. So baute Luxemburg im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neue Stadtmauern und militärische Anlagen, um sich, mehr oder weniger erfolgreich, vor dem Eroberungsdrang der Spanier, Franzosen, Österreicher und Preußen zu schützen. 1867, als die Preußen die Stadt verließen, gab es in der Stadt mehr Befestigungsanlagen als Zivilarchitektur!
 
Der romantische Charme des Ortes war schon Victor Hugo nicht entgangen, der während seines Luxemburger Exils zahlreiche Skizzen anfertigte. Dennoch ist der malerische Charakter des heutigen Stadtbilds keineswegs die Frucht des Zufalls. Ende des 19. Jh. wandte sich Luxemburg an den französischen Landschaftsarchitekten Édouard André, um die Stadt durch die Schaffung zahlreicher Parks und Gärten zu „entmilitarisieren“. Dies ist ihm offensichtlich bestens gelungen. So ist es praktisch unmöglich, einem gebürtigen Luxemburger oder einem hier ansässigen Ausländer zu begegnen, der nicht in höchsten Tönen den herrlichen Rahmen anpreist, in dem man hier lebt. Eine Stadt auf dem Lande, das ist schon Gold wert. Kein Wunder also, dass die Mieten im Stadtzentrum entsprechend hoch sind. Die übrigen Lebenskosten (und besonders die Restaurantrechnungen) halten sich dagegen, dank niedriger Mehrwertsteuer, erfreulich in Grenzen.
 
 
Die Altstadt
Die überschaubare kleine Altstadt kann man gut an einem halben Tag zu Fuß besichtigen, wobei die Place d’Armes den idealen Ausgangspunkt bildet. Der besonderen Reiz des historischen Luxemburg rührt von dem Nebeneinander unterschiedlicher Baustile her, mit einer Mischung aus Renaissancefassaden und neugotischen Palästen. Besichtigung und Einkaufsbummel lassen sich hier auf schöne Weise kombinieren, insbesondere in den wichtigsten Geschäftsstraßen und Fußgängerzonen wie Rue du Curé, Rue des Capucins und Grand’ Rue.
 
Die wichtigste Sehenswürdigkeit der Altstadt ist natürlich der Großherzogliche Palast, der noch heute die Kulisse der meisten offiziellen Anlässe des Großherzogtums bildet. Der linke Flügel ist nicht nur der älteste (16. Jh.), sondern ganz sicher auch der schönste, mit seinen Türmchen und seinem abstrakten geometrischen Dekor, das typisch für die Architektur der Spanischen Niederlande ist. Im jüngeren rechten Gebäudeteil im neugotischen und klassizistischen Stil tagt heute die Abgeordnetenkammer. Mit ein wenig Geduld und Glück begegnet man hier vielleicht sogar dem Großherzog, bzw. erahnt ihn hinten auf der Rückbank seines Daimlers.
 
Wer sein Wissen um die luxemburgische Geschichte vertiefen möchte, sollte einen Besuch im Historischen Museum der Stadt einplanen. Das bemerkenswerte Museumskonzept fasst mehrere historische Gebäude hinter einer riesigen Glasfassade zusammen. Die Geschichte der Stadt wird mithilfe historischer Dokumente (Handschriften, Siegel, Wappen) und moderner museografischer Techniken anschaulich dargestellt. Das Museum besitzt übrigens auch einen 60 m2  hohen Fahrstuhl, der durch das Felsplateau in die Unterstadt Grund führt.
 
Unsere persönliche Vorliebe gilt jedoch der historischen Wiege der Stadt Luxemburg, d.h. dem Bereich um das Nationalmuseum für Geschichte und Kunst am Rande des Felsplateaus im östlichen Teil der Stadt. Der Vorplatz des Museums ist nichts weniger als der ehemalige Fischmarkt, bzw. die Kreuzung zweier römischer Handelsstraßen: Trier- Paris und Aachen-Metz. Das kürzlich vergrößerte, umgebaute und modernisierte Nationalmuseum für Geschichte und Kunst beeindruckt durch die angenehme Inszenierung sowie die Qualität der Sammlung, die von vorgeschichtlichen Funden über die Luxemburger Malerei des 19. Jh. bis zu Picasso reicht.
 
Das Viertel rund um das Museum ist einen ausgiebigen Spaziergang wert, da eine jede der Straßen etwas Besonderes zu bieten hat: mittelalterlich-gewundener Verlauf, hübsche Ecktürmchen, historisches Pflaster, hier und da eine Barockfassade usw. Noch vor weniger als 10 Jahren galt dieser Stadtteil als zwielichtig und verrufen. Eine vorbildliche Sanierungskampagne sowie die Tatsache, dass man sich mehr und mehr des touristischen Potentials der Stadt bewusst wird (insbesondere seit 1995, als Luxemburgs zum ersten Mal Europäische Kulturhauptstadt war) haben das Viertel grundlegend verwandelt.
 
Die Rue Sigefroi führt zum Chemin de la Corniche, den man auch als den „schönsten Balkon Europas bezeichnet“. Der Ausdruck ist keineswegs übertrieben, denn die Aussicht von diesem Sträßchen am Rande des Stadtzentrums ist wirklich atemberaubend schön, vom Grund des Tals bis hin zum Horizont. Felshänge, Ruinen des Luxemburger Burg, terrassenförmig angelegte Gärten, die Abtei Neumünster und die Überreste der historischen Stadtmauer bilden ein malerische Komposition.
 
Abtei Neumünster: Kulturzentrum der Begegnung
Die Abtei Neumünster wurde im 16. Jh. von Benediktinermönchen gebaut. Nach der französischen Revolution dienten die Gebäude zunächst als Waisenhaus, dann als Militärkrankenhaus und schließlich bis 1984 als Männergefängnis (eines der finstersten Gefängnisse Europas, wird gesagt). Nach einer vorbildlichen Restaurierung ist die Abtei heute ein „Kulturzentrum der Begegnung“ mit einem reichhaltigen Veranstaltungsprogramm, das Theaterstücke, Filmvorführungen sowie Foto- und Kunstausstellungen umfasst. Jeden Sonntag drängen sich die Luxemburger hier beim Jazz Brunch. Der Rahmen ist bezaubernd: Auf der einen Seite die Alzette und gegenüber die von österreichischen Garnisonen mit vielen Tunnel durchlöcherten Felsen.
 
Auf dem Kirchberg-Plateau
Hier befindet sich das Luxemburg, wie man es aus dem Fernsehen kennt, das der europäischen Institutionen, Banken und Hauptsitze von Großunternehmen. Nach Ansicht der Luxemburger mangelt es diesem zu weiten Teilen von Ricardo Bofill entworfenen Stadtteil an Atmosphäre. Dennoch lohnt sich ein Besuch, insbesondere dank zweier Meisterwerke der modernen Architektur. Da ist zunächst die Philharmonie von Christian de Portzamparc, ein herrliches, blendend weißes, ein wenig wie ein Schiff anmutendes Gebäude, umgeben von einem wahren Wald schmaler Säulen. Im Inneren des von fließenden Rundungen geprägten Baus befinden sich zwei Konzertsäle, einer mit 2.000 Sitzplätzen und ein kleinerer Saal, der der Kammermusik vorbehalten ist und dessen Akustik ebenso bemerkenswert ist wie die Eleganz des Ortes. Nach dem Konzert kann man im Restaurant der Philharmonie Papila angenehm zu Abend essen (siehe unser Artikel).
 
Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich die Besichtigung des von Ieoh Ming Pei (dem Architekten der Pyramide des Louvre) entworfenen und im Juni 2006 eröffneten Musée d’Art moderne Grand-Duc Jean (MUDAM). Das monumentale, strahlend weiße Gebäude ist praktisch die moderne Fortsetzung der Überreste der Festung Trois Glands, die Teil des von Vauban gebauten Fort Thüngen war. Der Weg ins Museum führt den Besucher heute über die trockengelegten Festungsgräben. Das MUDAM besticht durch seine architektonischen Formen mit großen, oft durch große Oberlichter beleuchteten Säle ebenso wie durch seinen Inhalt. Eine permanente Ausstellung im herkömmlichen Sinne gibt es hier nicht, sondern vielmehr einen Fundus, der im beständigen Wechsel gezeigt wirkt. Im Rahmen von Luxemburg 2007 zeigt das Museum eine umfassende Retrospektive Michel Majérus, ein Luxemburger Maler, der zu jung verstarb, um noch zu Lebzeiten den verdienten Ruhm zu genießen.
 
Casino Luxemburg: ein Forum für zeitgenössische Kunst im Herzen der Stadt
Dieses 1882 errichtete ehemalige Kasino war lange Zeit das Zentrum des sozialen Lebens in Luxemburg. Franz Liszt, auf Besuch bei seinem Freund, dem ungarischen Maler Mihály Munkácsy, gab hier am 19. Juli 1886 sein letztes Konzert. Als Forum für zeitgenössische Kunst widmet sich das Casino seit 1995 mit viel Energie, Ehrgeiz und Pädagogik dem aktuellen künstlerischen Schaffen.
 
 
PRAKTISCHE HINWEISE
 
Hotelempfehlung:
Hôtel Parc Beaux Arts
1, rue Sigefroi
2536 Luxemburg
Tel.: +352 44 23 23 1
Dieses angenehme, stilvolle Hotel neben dem Nationalmuseum für Geschichte und Kunst verfügt über zehn schöne Suiten. In idealer Lage mitten im Herz der Altstadt kann man sich hier in ruhiger, gemütlicher Atmosphäre von einem anstrengenden Besichtigungstag erholen. Von manchen Zimmern blickt man direkt auf den rückwärtigen Hof des Großherzoglichen Palasts. Das Frühstück ist ausgezeichnet und auch der Empfang von ausgesuchter Freundlichkeit.
 
Luxemburger Verkehrsamt
Bismarckstraße 23-27
41061  Mönchengladbach
Tel.: +49 2161 20 88 88
Fax.: + 49 2161 20 65 73
 
Luxemburg und Großregion - Europäische Hauptstadt der Kultur 2007
Place Guillaume II
B.P. 2470
1260 Luxemburg
Tel.: +352 2688 2007
 
Landesverkehrsamt Luxemburg
Gare Centrale
B.P. 1001
1010 Luxemburg
Tel.: + 352 42 82 82 20
 
Philharmonie Luxemburg
Établissement public Salle de Concerts
Grande-Duchesse Joséphine-Charlotte
1, Place de l’Europe
L-1499 Luxemburg.
Tel.: +352 26 02 27-1
Fax.: +352 26 02 27-990.
 
MUDAM Luxemburg
Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean
3, Parc Dräi Eechelen
L-1499 Luxemburg
Tel.: +352 45 37 85-960
 
Casino Luxemburg - Forum für zeitgenössische Kunst
41, rue Notre-Dame
L - 2240 Luxemburg
Tel.: +352 22 50 45
Fax.: +352 22 95 95
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