
Architektur wie Bühnenbilder, Wechsel konkaver und konvexer Formen, gewundene Säulen, wie in dynamischen Bewegungen erstarrte Skulpturen, triumphierende Putten neben goldenen Strahlenkränzen, Decken, die dem Auge imaginäre Kuppeln vorgaukeln: Hier kann der Blick unmöglich ruhen, springt von Fassaden zu Brunnen, von Brunnen zu Plätzen; die schier grenzenlose Augenweide ist atemberaubend. Dieser dynamische Stil voller theatralischer Effekte fand in der Ewigen Stadt ein ideales Umfeld, um sich weiterzuentwickeln. So entstand ein römischer Barock ganz eigener Prägung.
Unter dem Begriff „Barock“ versteht man die Kunst des 17. und eines Teils des 18. Jh.s. (s. auch Schluss des vorhergehenden Kapitels). Über die Herkunft der Bezeichnung gibt es verschiedene Thesen. Ursprünglich war diese Bezeichnung (nach dem Portugiesischen barrôco = „unregelmäßige Perle“), mit der die Zeitgenossen den unregelmäßigen, unproportionierten, ja extravaganten Aspekt dieses Stils betonen wollten, abschätzig gemeint. Das Wort, das lange Zeit als Synonym für schlechten Geschmack galt, verlor nach und nach seine negative Bedeutung, blieb aber dennoch mit unterschiedlichen Assoziationen behaftet. Als Ausdruck des Triumphes der Kirche über Heiden und Ketzer breitete sich der Barock seit dem Pontifikat Urbans VIII. (1623-1644) in Rom aus, um schließlich von dort aus andere Länder zu erobern: Die Kirche hatte zu ihrer spirituellen Kraft zurückgefunden; nun wollten die Päpste „zum höheren Lob Gottes“ die Stadt, in der sie als Christi Stellvertreter residierten, mit Kunstwerken verschönern und holten berühmte Künstler nach Rom.
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