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Kunst und Kultur

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Architektur

Sakralbauten

Kirchen und Kapellen

Die Kirchenbauten in den Französischen Alpen zeugen von der bodenständigen Frömmigkeit der Bergbauern. Auf teures Schmuckwerk wurde verzichtet; wichtiger war es, Wind und Wetter zu trotzen. So entstanden solide Bauten mit einfachem Grundriss, kleinen Fenstern und dicken Mauern aus Naturstein, die die Jahrhunderte überdauerten. Tief heruntergezogene Dächer schützen die Fassaden vor den Unbilden der Witterung. Darüber erheben sich die Kirchtürme, die in Savoyen von Zwiebeldächern und in der Dauphiné von Pyramidendächern bekrönt sind.

Die ersten Jahrhunderte des Christentums haben kaum Spuren hinterlassen, abgesehen von der bemerkenswerten Taufkapelle in Riez, die vom Ende des 4. oder Anfang des 5. Jh. datiert. Die Südalpen liegen im Einflussbereich der Frühromanischen Kunst, die sich von der Lombardei bis Katalonien entwickelte. Dieser aus Italien importierte Stil ist gekennzeichnet durch einfache Grundrisse, das schwerfällige Erscheinungsbild und die einfach-derbe Bauweise. Querhäuser sind selten in diesen kleinen Kirchen, das Langhaus ist zumeist von einem einfachen Tonnengewölbe oder einem soliden Holzdach überspannt. Die Apsis wird von einer Konchenkuppel abgeschlossen, die Fenster sind klein, das Mauerwerk ist unregelmäßig, das Schmuckwerk einfach (Lisenen, verzierte Gesimse). Schöne Beispiele dieser Kunst sieht man in St‑Donat, St‑Martin-de-Volonne sowie in den Krypten von Notre-Dame-du-Dromon und Vilhosc bei Sisteron.

Die Romanik erreichte ihren Höhepunkt im 12. und Anfang des 13. Jh.; die Baumeister strebten nun sowohl nach mehr Ausgewogenheit in der Anordnung der Räume und Fensteröffnungen als auch nach einer geschwungeneren Linienführung. Immer häufiger wurde der schönere, behauene, manchmal auch mehrfarbige Bruchstein eingesetzt. Obwohl die Kirchenbauten höher wurden, behielten sie ihren volkstümlichen, manchmal archaischen Charakter. Auch der lombardische und piemontesische Einfluss blieb sichtbar, vor allem im Briançonnais, im Queyras, im Ubaye-Tal und in der Gegend um Embrun. Vor den Kirchen mit basilikalem Grundriss öffnet sich hier oft ein baldachingeschmückter Vorbau, dessen Säulen – z. B. in Embrun, Guillestre, St‑Véran und La Salle – von sitzenden Löwen getragen werden. Die schlanken Kirchtürme krönt auch hier zumeist ein Pyramidendach.

In der Haute-Provence entstanden zahlreiche Bauten mit antikisierendem Dekor (St‑Michel-l’Observatoire, Notre-Dame-de-Salagon, Carluc, Kathedralen von Digne, Senez und Sisteron). Skulpturenschmuck ist höchst selten, denn der harte Kalkstein, mit dem in dieser Gegend gebaut wurde, ließ sich nur schwer bearbeiten. Die Bogenfelder sind nicht verziert und auch die Innenausschmückung der Kirchen ist äußerst schlicht. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Klosterkirche in Ganagobie, die ein schöner behauener Tympanon und bemerkenswerte Mosaike zieren.

Der 1124 gegründete Orden der Chalaisianer hinterließ in den französischen Südalpen zahlreiche Bauten, die an die frühe Zisterzienserarchitektur erinnern (Boscodon, Lure, Prads, Lavercq). Es sind schlichte, klare architektonische Ensembles: Eine kleine Kirche aus Haustein und Klostergebäude aus Bruchstein sind um einen rechteckigen Kreuzgang angeordnet. In Forcalquier (Notre-Dame), Manosque (St‑Saveur), Seyne-les-Alpes und Bayons wurden auch im 13. und 14. Jh. noch romanische Kirchen gebaut.

Die Gotik konnte sich in den Französischen Alpen kaum durchsetzen; einige der seltenen Zeugnisse dieser Epoche finden sich in Chambéry (Ste-Chapelle), in Malaucène, Embrun und Forcalquier. In der Grafschaft Nizza arbeitete von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 16. Jh. eine gotische Malerschule, der wir eindrucksvolle Gemälde und Altaraufsätze verdanken, darunter das Retabel in Lieuche von Louis Bréa.

Savoyen ist für seine schönen Barock- kirchen berühmt. Von außen sind sie nur an ihrem exotisch wirkenden Zwiebelturm erkennbar, erst nachdem man diese bescheidenen Dorfkirchen betreten hat, lässt sich deren reiche Ausschmückung entdecken. Sie entstanden zur Zeit der Gegenreformation im 16. und 17. Jh., als die katholische Kirche mit gefälligen, reich ausgeschmückten Bauwerken um die Gunst der vom Protestantismus angezogenen Gemeinden buhlte. Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss des Barocks an den Kanzeln und Altaraufsätzen, die in dieser Zeit geschaffen wurden. Künstler aus Chambéry und vor allem Italien verzierten sie mit der typischen Barockdekoration: Schlangensäulen, Voluten und Nischen mit Figuren, die durch theatralische Gesten die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dazu lebhafte Farben und viel Gold. So entsteht eine festliche Stimmung, die Gläubigen erahnen die Verheißung des Paradieses, während vor der Tür das harte und gefährliche Leben auf sie wartet. Die bedeutendsten Zeugnisse dieser Kunst finden sich in Les Contamines-Montjoie (Notre-Dame-de-la-Gorge) und in Champigny-en-Vanoise.

Für Informationen über Themenrouten zu den Barockkirchen und -kapellen der Maurienne und der Tarentaise s. Praktische Hinweise, Auf Entdeckungstour.

In der Architektur der Dauphiné und der Haute-Provence, die damals bereits zu Frankreich gehörten, hat der Barock kaum Verbreitung gefunden. Notre-Dame in Briançon, die zwischen 1703 und 1718 entstand, ist eines der wenigen Beispiele dieses Stils in der Region. Barockes Schmuckwerk ziert jedoch auch hier die Innenräume zahlreicher Kirchen.

Auch klassizistische Gotteshäuser sind in den Französischen Alpen eine Rarität. Im 19. Jh. entstanden einige Kirchenbauten im damals beliebten Historienstil, so die neugotische Kathedrale in Gap.

Fruchtbarer war das 20. Jh., in dem es zu einer Wiederbelebung des Sakralbaus kam. Der erste zeitgenössische Kirchenbau der Französischen Alpen ist die 1950 geweihte Église Notre-Dame-de-Toute-Grâce auf dem Plateau d’Assy. Entworfen wurde sie von Maurice Novarina, der in der Folge weitere Kirchen in Savoyen bauen sollte. In stilistischer Hinsicht brachte Notre-Dame-de-Toute-Grâce nichts wirklich Neues, doch wurden hier erstmals namhafte zeitgenössische Künstler mit der Ausschmückung eines Sakralbaus betraut. Weitere interessante moderne Kirchenbauten befinden sich in Annecy, Aix-les-Bains, Grenoble und L’Alpe-d’Huez.

Wandmalereien

In den Tälern nahe der nördlichen Alpenpässe verzierten Pilger und durchreisende Künstler im 14. und 15. Jh. die Wände der Kapellen mit naiven Fresken in leuchtenden Farben. In Lanslevillard haben sie das Martyrium des hl. Sebas- tian, in Bessans das Leben Christi und in Abondance Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zum Thema. Auch in den Kirchen des Südteils der Französischen Alpen hinterließen reisende Künstler zwischen 1450 und 1550 zahlreiche Wandmalereien.

Die am häufigsten eingesetzte Technik war die Temperamalerei auf trockenem Putz. Die Farben wurden mit Wasser angerührt, dem Kasein, Leim oder Eigelb beigefügt waren. Vor dem Farbauftrag wurde die Szene mit Bister, einer bräunlichen Wasserfarbe, in groben Linien skizziert, die geraden Linien wurden mit einem Spitzeisen gezogen. Gemeinsam mit den Glasfenstern und dem Altaraufsatz dienten diese Wandmalereien den Gläubigen, die häufig des Lesens und Schreibens unkundig waren, als Ermahnung.

Beliebte Motive waren neben dem Leben Christi und hier in erster Linie der Passionsgeschichte, die Heiligengeschichten und die Darstellung der Tugenden und Laster inklusive der Strafen, die den Lasterhaften zuteil werden. Schöne Jungfrauen personifizieren die Tugenden, die Laster, ebenfalls durch Frauengestalten verkörpert, reiten auf symbolträchtigen Tieren dem offenen Schlund eines Drachen entgegen – der Stolz auf einem Löwen, die Wollust auf einem Bock und die Faulheit auf einem Esel. Die Darstellungen der Strafen mit dem an ein Rad gefesselten Stolz und dem in geschmolzenem Gold ertrinkenden Geiz waren oft derart realistisch, dass sie der Pietät späterer Jahrhunderte zum Opfer fielen. Schöne Fresken mit den Tugenden und Lastern finden sich in der Chapelle des Grâces in Plampinet, in L’Argentière-la-Bessée, Les Vigneaux, Notre-Dame-d’Entrevignes bei Sigale und La Tour in der Vallée de la Tinée. Einige Künstler, die in den Südalpen gewirkt haben, sind namentlich bekannt, darunter Jean Canavesio (St‑Étienne-de-Tinée), Andrea de Cella (Clans, Roure) und Currandi Brevisi (La Tour).

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